Drei Wege der Beteiligung
An, mit oder durch Kinder – drei Wege der Beteiligung
Beteiligung ist nicht gleich Beteiligung. In der Forschung zu Kinderperspektiven gibt es eine hilfreiche Unterscheidung: Wird über Kinder gesprochen, mit ihnen gearbeitet – oder handeln sie selbst? Der Unterschied verändert alles.
Die drei Ansätze im Überblick
Jeder Ansatz hat seinen Platz – aber sie unterscheiden sich grundlegend darin, welche Rolle Kinder und Jugendliche einnehmen.
Beteiligung
„an" Kindern
Datenquelle / Objekt
Erwachsene beobachten, befragen und analysieren – ohne Kinder in die Auswertung einzubeziehen.
Beteiligung
„mit" Kindern
Partner:in / Ko-Produzent:in
Kindgerechte Methoden verringern das Machtgefälle. Kinder sind aktiv beteiligt, Ergebnisse werden gemeinsam interpretiert.
Beteiligung
„durch" Kinder
Initiator:in / Akteur:in
Kinder bestimmen die Fragen, gestalten den Prozess und wirken an Entscheidungen mit.
Ein Bild dazu: Stellen Sie sich den Bau eines Spielplatzes vor. „An" Kindern heißt: Erwachsene beobachten, welche Geräte genutzt werden. „Mit" Kindern heißt: Sie werden gefragt, was sie sich wünschen, und dürfen die Farben der Rutschen mitbestimmen. „Durch" Kinder heißt: Die Kinder selbst entscheiden, dass ein Spielplatz gebraucht wird – und entwerfen den Plan.
Beteiligung „an" Kindern
Research on childrenIm klassischen Ansatz werden Kinder primär als Informationsquelle betrachtet. Erwachsene erheben Daten – durch Beobachtung, Befragung oder Tests – und analysieren die Ergebnisse anschließend ohne weitere Einbeziehung der Kinder.
Das ist nicht grundsätzlich falsch: Standardisierte Erhebungen zu Schulleistung oder Gesundheitsdaten funktionieren so. Aber wenn es um Erleben, Wahrnehmungen und Bedürfnisse geht, reicht dieser Ansatz nicht aus. Kinder bleiben passiv, ihre Deutungen fehlen.
Im Schulalltag erkennen Sie das an: Erwachsene sprechen über Kinder, nicht mit ihnen. Entscheidungen über Regeln, Räume oder Abläufe werden getroffen, ohne die Perspektive der Betroffenen einzuholen.
Beteiligung „mit" Kindern
Research with childrenIn diesem partizipativen Ansatz werden Kinder als Partner:innen und Ko-Produzent:innen von Wissen angesehen. Das Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern wird bewusst verringert – durch kindgerechte Methoden, verständliche Fragestellungen und verschiedene Ausdrucksformate.
Kinder sind aktiv an der Datenerhebung beteiligt: durch Erzählungen, Zeichnungen, Sprachaufnahmen, Befragungen. In fortgeschrittenen Formen wirken sie auch an der Interpretation mit und helfen, Empfehlungen zu formulieren.
Der entscheidende Unterschied: Die Perspektive der Kinder kommt authentisch zum Ausdruck – nicht gefiltert durch die Erinnerung Erwachsener an ihre eigene Kindheit.
Im Schulalltag erkennen Sie das an: Kinder werden systematisch befragt. Ihre Antworten werden ernst genommen, ausgewertet und fließen in Entscheidungen ein – in Konferenzen, Steuergruppen oder im Klassenrat.
Beteiligung „durch" Kinder
Research by childrenDie stärkste Form der Partizipation: Kinder initiieren selbst, was untersucht oder verändert werden soll. Sie bestimmen die Fragen, gestalten den Prozess und wirken an Entscheidungen mit – bis hin zur Formulierung von Anträgen oder Empfehlungen an Erwachsene.
In der Forschungspraxis ist dieser Ansatz noch selten. In Schulen zeigt er sich dort, wo Kinder eigene Projekte anstoßen, den Klassenrat oder das Kinderparlament nutzen, um Veränderungen durchzusetzen, oder gemeinsam mit der Schulleitung an Konzepten arbeiten.
Im Schulalltag erkennen Sie das an: Kinder sagen nicht nur, was sie stört – sie schlagen vor, was sich ändern soll, und arbeiten daran mit, dass es passiert.
Wo polliquest steht – und wohin der Weg führen kann
polliquest arbeitet im Bereich „mit" Kindern: Die Fragen werden von Erwachsenen entwickelt, aber die Antworten kommen authentisch von den Kindern selbst – in ihren eigenen Worten, in ihrer eigenen Geschwindigkeit, ohne dass Erwachsene vorfiltern. Barrierefreie Formate (Vorlesen, Einsprechen, Piktogramme, Mehrsprachigkeit) sorgen dafür, dass möglichst alle Kinder teilnehmen können.
Gleichzeitig öffnet polliquest den Weg Richtung „durch" Kinder: Wenn Schulen die Ergebnisse mit den Kindern besprechen und daraus gemeinsam Maßnahmen entwickeln, verschieben sich Verantwortung und Handlungsmacht – Schritt für Schritt.
Kurz gesagt: polliquest beginnt bei „mit" – aber je nachdem, wie Schulen mit den Ergebnissen arbeiten, kann daraus „durch" werden. Die Haltung entscheidet.
Warum diese Unterscheidung für Schulen wichtig ist
Die drei Wege helfen, die eigene Praxis ehrlich einzuordnen: Beteiligen wir Kinder tatsächlich – oder erheben wir Daten über sie? Hören wir zu – oder lassen wir auch Einfluss zu?
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